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Nach gut 20 Jahren war ich erstmals wieder
in Paris. Wenn man länger darüber nachdenkt, ist das schon
ungewöhnlich, da die Fahrt ab Duisburg nicht viel länger dauert
als nach Berlin. Nachdem der Freitag zum Ankommen diente und
immerhin schon ein paar Schnappschüsse mit dem Eiffelturm
abwarf, ging es am Samstag mit Freunden ins Disneyland. Hier
konnten sich die Kinder austoben und mit großen Augen die
Paraden von Mickey und Co. verfolgen. Die ursprünglichen
Planungen drehten sich eigentlich um den Höhe- und Schlusspunkt
der kleinen Reise am Sonntagnachmittag: Das erste NFL-Spiel der
Geschichte in Paris. Obwohl die Partie zwischen den Saints und
den Steelern aufgrund der anhaltenden Proteste und Krawalle in
der Hauptstadt jüngst hinterfragt wurde, sollte natürlich
trotzdem gespielt werden. Die Sicherheitsbedenken hatten aber
eine andere für mich glückliche Fügung zur Folge. Die für den
Sonntagabend angesetzte Ligue 1 Partie des Champions
League-Siegers PSG gegen Lyon wurde am Freitag kurzfristig auf
den Montagabend verschoben. Der ursprüngliche Termin wäre zwar
machbar gewesen, hätte aber zur Folge gehabt, dass ich mich der
abendlichen Gemeinschaft in unserer Ferienwohnung hätte
entziehen müssen.
Wie war nun also der neue Plan? Trotz der
kurzfristigen Verschiebung wurden die Tickets auf dem Zweitmarkt
nicht wirklich günstiger. Daran sollte es aber nicht scheitern.
Kurzerhand buchten wir uns ein Hotel, halbwegs nah am
Prinzenpark. Nach einem zusätzlichen Sightseeing-Tag am Montag
würde ich von dort aus zu Fuß zum Stadion aufbrechen, mich nach
der Partie kurz zu den Mädels schlafen legen und das Auto später
durch die Nacht nach Duisburg steuern. So sollten wir am
Dienstagmorgen alle pünktlich auf der Arbeit und im Kindergarten
erscheinen. Was für meine Verhältnis ungewöhnlich spontan war,
klappte von Beginn an super. Ich schlug am Montagabend mehr als
pünktlich zum Spiel im 16. Arrondissement auf. Das Stadion der
Rot-Blauen stammt aus den 70ern und ist mitnichten mit den
modernen Arenen anderer Top-Klubs vergleichbar. Trotz der
erhöhten Sicherheitsmaßnahmen gestaltete sich der Einlass als
unproblematisch. Das Geschehen im Stadion selbst bot wenig
Konfliktpotential, da Gästefans aus Lyon wie üblich nicht
zugelassen waren.
Trotzdem gab es zwischen all den Touris und
deren Selfies immer wieder kleinere Rennereien mit Beteiligung
vermeintlicher Ultras und den hinterhereilenden Ordnern. Die
Ursachen konnte ich nicht ergründen. Ich saß am Rand der zweiten
Kurve, gegenüber der eigentlichen Szene und war froh nicht im
benachbarten kleinen Stimmungskern gelandet zu sein. Nach einer
Feuer- und Lasershow wurde dann tatsächlich auch Fußball
gespielt. Aus der ersten Halbzeit blieb mir jedoch wenig vom
Spielgeschehen im Gedächtnis. PSG dominierte mit seiner
Startelf, die knapp eine Milliarde Euro Marktwert vereinte.
Trotzdem waren Lyons Nadelstiche gefährlicher und um ein Haar
erfolgreich. Die echten PSG-Fans hingegen machten mehr Dampf,
als erwartet und überraschten mich positiv. Auch wenn ich
insgeheim auf einen Erfolg der Gäste hoffte, war ich trotzdem
froh über die beiden Pariser Tore in der Schlussphase der
Begegnung. Immerhin bewahrten mich die beiden Joker Mayulu (72.,
40 Mio. Marktwert) und Godts (84., ebenfalls 40 Mio. Marktwert)
mit ihren präzisen Abschlüssen vor einem torlosen Remis. Gut,
dass ich diese recht kostspielige Erfahrung spontan machen
konnte, die sich irgendwo zwischen Selfiestick, Tradition,
echtem Support und irrwitziger Kommerzialisierung bewegte. Neun
Stunden nach Abpfiff waren wir wieder daheim in Duisburg.
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