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Ich hatte an diesem Sonntag die Qual der
Wahl. Entweder die Oberliga Niederrhein beim Knaller zwischen
Scherpenberg und Wuppertal erneut komplettieren oder in Herne
beim Derby zwischen Horsthausen und Hordel die Westfalenstaffel
wieder vollmachen. Einen triftigen Grund kann ich nicht nennen,
weshalb ich mich letztendlich auf den Weg über die A42 nach
Herne machte. Die Stadt in der Mitte des Ruhrgebiets begrüßte
mich mit Regen und Temperaturen, die etwas mehr als eine
Übergangsjacke notwendig machten. Trotzdem war auf der Anlage
der Spielvereinigung Horsthausen bereits einiges los. Etliche
Rentner hatten sich standesgemäß die besten Plätze rund um den
Kunstrasenplatz gesichert. Selten habe ich ein so altes Publikum
wahrgenommen und fühlte mich plötzlich so jung, wie schon lange
nicht mehr. Somit wuselte ich - im Quervergleich agil - über das
gepflegte Gelände und schoss meine Fotos vom Ground. Die
Bezirkssportanlage wird mir jedoch trotz seiner zwei Stufen auf
der Gegengerade und einiger Sitzschalen auf der
gegenüberliegenden Seite wohl nicht in Erinnerung bleiben.
Das heutige Duell zweier Reviernachbarn ist
zugleich ein Kräftemessen der beiden amtierenden Aufsteiger aus
der Westfalenliga-Staffel 2. Am Saisonende lagen die heutigen
Gäste aus Bochum mit sechs Punkten vor Horsthausen. Beim letzten
Aufeinandertreffen im April gab es ein 1:1-Unentschieden am
heutigen Spielort. Einige Monate später liegen beide Klubs noch
immer dicht beieinander und sind Tabellennachbarn im unteren
Drittel des Klassements der Oberliga Westfalen. Dementsprechend
umkämpft und ausgeglichen kamen die ersten Minuten der Partie an
diesem 10. Spieltag daher. Nachdem das Spiel mit fast zehn
Minuten Verspätung startete, musste man eine gute halbe Stunde
warten, ehe die Partie wirklich in Gang kam und beide Teams
erste gefährliche Aktionen kreierten. Bis dato war zumindest
mein Highlight, der von mir nach 15 gespielten Minuten wenig
elegant zurück aufs Feld geköpfte Spielball. Im ersten Durchgang
war es vor allem der Schiedsrichter, der im Mittelpunkt stand
und einige strittige bis ruppige Szenen bewerten musste.
Mittlerweile hatte auch die Sonne endlich
wieder ihren Weg durch die Wolken gefunden und schien bei den
Akteuren neue Kräfte freizusetzen. Plötzlich ging es munter hin
und her. Dabei schenkte man sich keinen Meter. Irgendwo zwischen
wütenden Angriffen und unnötigen Tritten, fasste sich
Horsthausens regionalligaerfahrene Mittelstürmer Ciccarelli ein
Herz und brachte einen Freistoß von der linken Seite scharf aufs
Tor. Hordels Keeper tauchte ins kurze Eck ab und parierte den
Ball scheinbar im letzten Moment. Mein Blick wanderte jedoch
sofort zum Linienrichter, der den Ball im Tor sah und diesen
Umstand durch energisches Winken mit seiner Fahne anzeigte. Eine
denkbar knappe Entscheidung brachte den Hausherren die so
wichtige Führung im Duell der Aufsteiger. Den Vorsprung brachten
die Hausherren erstaunlich abgeklärt ins Ziel und sorgten somit
dafür, dass meiner Re-Komplettierung nicht der Makel eines
torlosen Remis anhängt. Es war ein ambitioniertes Unterfangen
die vier Neulinge der Liga abzuklappern. Umso zufriedener bin
über die frühe Vollendung dieser Mission.
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