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Wir schreiben das zweite Wochenende der
dreiwöchigen Länderspielpause. Heilsbringer Jürgen Klopp hatte
es bis jetzt geschafft, mit der Mannschaft gegen die Niederlande
einen Punkt zu holen, daheim gegen Griechenland zu verlieren und
gegen Serbien zu gewinnen. Das hätte man mit mir als Coach auch
erreicht. Mindestens. Daher richtet sich der Fokus hier wieder
auf den Fußball, der zählt. Weg vom unsympathischen Hampelmann
und seiner Bums-Truppe um Möchtegern-Leader Joshua Kimmich. Hin
zur Mittelrheinliga und ihren stolzen drei für mich neuen
Aufsteiger. Als erstes packte ich mir davon den TuS Chlodwig
Zülpich ins Aufgabenheft. Was für ein Beiname! Vor mehr als 1500
Jahren siegte Frankenkönig Chlodwig in der Schlacht von Zülpich
gegen die angreifenden Alamannen. Mein Desinteresse am
Mittelalter lässt mich dieses Ereignis leider nicht gescheit
einordnen. Immerhin kann ich beschreiben, was ich im heutigen
Zülpich gesehen habe.
Alex, Lynn und ich trafen mit gut zwei
Stunden Vorlauf zum Spiel in der selbsternannten Römerstadt im
Kreis Euskirchen ein. Diese kann sich durchaus sehen lassen.
Eine Stadtmauer umrundet, teils gut erhalten, das Zentrum und
umfasst dabei stolze vier Stadttore. Leider erwies sich unser
anfangs motiviert angegangener Stadtrundgang als ziemliche
Belastungsprobe. Die ohnehin bereits erkältete Lynn war am
Vormittag in der Wohnung auf eine Wespe getreten und laborierte
weiterhin am unvermeidbaren Stich. Während sie vor und bei der
Abfahrt gut gelaunt daherkam, schienen die Schmerzen in Zülpich
wieder schwer erträglich geworden zu sein. So guckte Alex, dass
sie Lynn beruhigte, während ich mich an zumindest einer Halbzeit
des Spiels zwischen dem Aufsteiger und dem SSV Bornheim
versuchte. Die Zülpicher tragen ihre Heimspiele auf dem
Kunstrasenplatz der Anlage an der Blayer Straße aus. Auch hier
ist das künstliche Geläuf für die Zuschauer wohl die bessere
Wahl, da der Rasenplatz mit seiner Laufbahn doch sehr weitläufig
daherkommt. Der Höhenunterschied zwischen beiden Plätzen
ermöglichte es den Schaulustigen zudem, das Spiel aus erhöhter
Position zu verfolgen.
Das Publikum war bunt gemischt und
entspannt. Viele junge Familien und etliche Rentner wie Helmut
und Hubert, die sich neben mir ausführlich über die guten alten
Zeiten austauschten. Dabei bot das Spiel selbst viel
Gesprächsstoff. Bei herrlichem Wetter kam Zülpich besser ins
Spiel und ging nach einer knappen halben Stunde durch einen
Beinschuss aus spitzem Winkel verdient in Führung. Bornheims
Ausgleich fünf Minuten vor dem Pausenpfiff war aus Sicht der
Heimelf sicherlich unnötig. An den Kopfballtreffer nach einer
Ecke schloss sich die einzige Druckphase der Gäste an. In der
Halbzeitpause gesellte sich Alex mit dem nun endlich schlafenden
Nachwuchs zu mir. Lange währte die Ruhe jedoch nicht und es
gelang uns nur für gute 15 weiter Minuten Lynn mit einer Waffel
bei Laune zu halten. Die Gastgeber führten mittlerweile wieder
nach einem tollen Solo (51.), als wir wenig später entschieden,
besser aufzubrechen. Ich schnappte mir noch schnell eine
Bratwurst für den Weg zum Auto und hörte in meinem Rücken den
Jubel über das 3:1 (64.). Dieses leitete den anschließenden
souveränen 5:1-Erfolg des TuS Chlodwig ein, der absolut in der
Liga angekommen ist.
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