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Am Samstagmorgen hatten wir wohl eher den
anschließenden Besuch im Spoons, als die abendliche Partie in
den Knochen. Zudem war die Nacht recht kurz, da unser
gastgebendes Hotel auch als Club fungierte, der uns bis zwei Uhr
morgens mit Bässen bombardierte. Wie dem auch sei, für uns ging
es am zweiten Tag der Tour früh raus. Es wartete der Zug nach
Preston, der uns 30 Minuten nach der landesweiten Öffnung der
Zapfhähne um neun Uhr in der größten Stadt der Provinz
Lancashire ausspuckte. Der Durst und der Hunger waren groß, als
wir das vollgepackte Spoons in der Innenstadt enterten und
einige Zeit später endlich volle Gläser und Frühstücksteller vor
der Nase hatten. Um uns herum waberte eine umtriebige Menge aus
üblichem Stammpublikum, PNE-Fans und den Anhängern aus dem nahen
Blackburn. Insbesondere Letztere schienen motiviert und
schmetterten einige Lieder durchs vollgepackte Pub. In
friedlicher Atmosphäre erinnerte man den Lokalrivalen an seine
aktuell missliche Lage mit null Punkten aus vier Spielen am Ende
des Championship-Klassements.
Beide Zweitligisten gehören eindeutig in
den Kreis der vielen englischen Traditionsclubs. Etliche dieser
Vereine hatten ihre besten Zeiten jedoch im vergangenen
Jahrhundert oder wie die heutigen Hausherren bereits vor 1900.
Preston wurde 1989 ungeschlagen der erste englische
Fußballmeister und steht somit für immer in den
Geschichtsbüchern der ältesten Fußballnation der Welt. Zum
jüngsten großen Erfolg der Gäste kann ich sogar noch eine
Verbindung herstellen. Mitte der 90er war es nämlich Alan
Shearer, der die Rovers mit einem Punkt Vorsprung auf ManU zum
Premier League-Titel schoss. Shearer wurde Torschützenkönig und
sicherte sich diesen Titel auch in den beiden Folgejahren. Eine
Legende der Zeit, in der mich der Fußball vollends packte.
Mittlerweile sind beide Kontrahenten, Preston und Blackburn,
Stammgäste im Unterhaus und dort verankert. Viel spricht zudem
nicht dafür, dass erneute große Erfolge vor der Tür stehen.
Nach vier Niederlagen zum Saisonstart kann
man sich wohl etwas Besseres vorstellen, als einen Gast, der die
komplette Hintertortribüne einnimmt und das Stadion in Grund und
Boden singt. Für uns war das natürlich schön zu sehen und
schaffte eine Atmosphäre, in der wir uns noch mehr auf die
Partie freuten. Während der Gästemob ununterbrochen sang,
entwickelte sich jedoch ein Spiel, das wir so nicht erwarten
konnten. Nach neun Minuten versenkte PNE-Stürmer Lang eine
flache Hereingabe – oder war es ein Torschuss? – am langen
Pfosten zur frühen Führung für die Hausherren. Spätestens nach
Langs zweiten Treffer, diesmal per Kopf (27.), war der
Rovers-Anhang links von uns verstummt. Stattdessen provozierten
ein Typ mit einer Tanga-Aufdruck-Shorts und ein Mittachtziger
die Gäste-Fans mit eindeutigen Gesten. Da schloss sich der
halbstarke deutsche Junggesellenabschied, der bereits am Vortag
mit mir im Fliger saß, doch gerne an. Unangenehm, aber auch ein
anderes Thema. Auch wenn’s bis hierhin so aussah, sollte es für
die Heimelf kein Spaziergang werden. Stattdessen sah es nach dem
erzwungenen Anschlusstreffer kurz nach der Halbzeit so aus, als
könnte die Partie kippen. Doch dieses Spiel auf hohem
fußballerischem Niveau hatte keine weiteren Treffer mehr in
petto und Preston konnte tatsächlich im Derby den ersten Dreier
landen. Für uns ging es im Anschluss und nach zwei
stimmungsvollen wie überraschenden 2:1-Heimsiegen zurück nach
Deutschland. Schön wars!
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