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In den Anfangsjahren meines Berufslebens
konnte ich einige Dienstreisen mit Besuchen bei Fußballspielen
verbinden. Gerne erinnere ich mich an meine Fortbildungen in
München, während denen ich mich in den Ligen Bayerns und
Österreichs ganz gut vorankämpfte. Mittlerweile beschränkt sich
mein dienstlicher Horizont größtenteils auf Nordrhein-Westfalen.
Daher war es etwas Besonderes, als ich an diesem Mittwoch im
April einen Workshop in einer Schule in Rheinbach mit einem
Fußballspiel verbinden konnte. Rheinbach liegt noch hinter in
Bonn im Süden des Bundeslandes und somit mehr oder weniger auf
dem Weg nach Luxemburg. So redete ich mir mein Vorhaben
jedenfalls schön, im Anschluss an meine Pflichten ins
Großherzogtum zu reisen und dort dem Pokalspiel zwischen Feulen
und Rosport beizuwohnen. Was auf der Karte und bei Betrachtung
der Luftlinie nach einer machbaren Tour aussah, entpuppte sich
natürlich zu einem wilden Ritt über die abenteuerlichen
Landstraßen der Eifel. Auf meiner Fahrt bestritt ich keinen
einzigen Meter auf der Autobahn und kam somit erst nach
zweieinhalb Stunden im Süden der Luxemburger Ardennen an.
Da es bis zum Spiel noch etwas Zeit zu
vertrödeln gab, parkte ich mein Auto in Feulens Nachbarstadt
Ettelbrück. Dort kaufte ich mir zuerst ein Buch über die
luxemburgische Sprache und setzte mich mit diesem auf einen
Humpen in den sonnigen Außenbereich eines Bier-Cafes. Leben
läuft! Trotz des Müßiggangs kam ich als einer der ersten
Schaulustigen am Ground der US Feulen an. Der ambitionierte
Zweitligist, der in dieser Saison zeitweise die Tabelle im
Unterhaus anführte, wollte gegen die Gäste und Erstligisten aus
Rosport den großen Wurf wagen. Ein Sieg an diesem milden Abend
würde für die Hausherren den erstmaligen Einzug ins
Pokalhalbfinale bedeuten. Entsprechend schnell füllte sich die
bescheidene Anlage zu ungefähr gleichen Teilen mit Fans der
beiden Teams. Die Gäste aus dem deutschen Grenzgebiet weisen
seit 2018 scheinbar eine motivierte Ultra-Gruppierung auf, die
bereits vor den Stadiontoren erste Raketen und Fackeln zündete.
Auf Seiten der Hausherren bequemte sich eine nicht
ernstzunehmende Zweckgemeinschaft zum zaghaften Support.
Das Ungleichgewicht hinter der Bande sollte
sich auf dem Kunstrasen nicht widerspiegeln. Ganz im Gegenteil.
Dem teils arroganten Auftreten der Gäste und einiger auswärtiger
Fans zum Trotz, bestimmte der Zweitligist vor einem schönen und
hügeligen Panorama die Partie. Selten kam eine 1:0-Führung daher
so überraschend und unverdient, wie der Treffer der Gäste kurz
vor der Pause. Hier hatte die Kaltschnäuzigkeit also die Nase
vorn. Zu allem Überfluss aus Sicht der Heimelf, erzielte das
zweite Gegentor ein eigener Spieler (61.). Dass es sich dabei um
ein Eigentor handelte, war jedoch eher Formsache, da Rosports
Stürmer ebenfalls zum Einschuss bereitstand. Abseits der beiden
Tore der Favoriten sah ich ein solides Pokalviertelfinale ohne
große Aufreger. Trotzdem bleiben mir nicht nur die beiden
Mettwürschte, sondern auch die latente Spannung im Gedächtnis.
Leider gelang Feulen erst in der Nachspielzeit der
Anschlusstreffer. Zu einem früheren Zeitpunkt hätte dieser wohl
für mächtig Zittern auf Seiten der Gäste gesorgt. So blieb die
Pokalüberraschung aus und ich fuhr nach Haus.
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