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Es kommt selten vor, dass Vereine neue
Sportstätten beziehen. Noch ein bisschen seltener ist es, wenn
ein Klub mitten in der Saison umzieht. Das hielt die
Sportfreunde Baumberg aus Monheim jedoch nicht davon ab, eben
jenen Weg zu gehen und seinen alten Platz an der Sandstraße
mitten in der aktuellen Spielzeit gegen das neue Sportzentrum Am
Kielsgraben zu tauschen. Lediglich 600 Meter trennen beide
Gelände räumlich. Was die Qualität angeht, hat man sich jedoch
um Längen verbessert. Statt eines stumpfen Kunstrasenplatzes
ohne ernsthafte Parkmöglichkeiten inmitten eines Wohngebietes,
spielt man nun auf einem Gelände mit viel Platz für Autos und
natürlich auch für die Akteure. Auf beiden Seiten des unheimlich
geschmacklos eingerichteten Vereinsheims gibt es je ein
Großfeld. Vom Eingang aus gesehen rechts ein kleines Stadion mit
Naturrasen und links einen Kunstrasenplatz, der ebenfalls einen
respektablen Ausbau aufweist. Nicht zu vergessen, ein
Kleinfeldplatz, der dem Nachwuchs hinter dem Nebenplatz zur
Verfügung steht. Trotz der ansprechenden Anlage, auf die ich
mich durchaus freute, hatte mein Besuch nach Feierabend an
diesem Mittwochabend einen bitteren Beigeschmack.
Natürlich wollte ich ein Spiel auf dem
Hauptplatz sehen. So war die Partie gegen Blau-Weiß Dingden
angesetzt und auch das zuvor oft leidige Thema Wetter sollte
nicht dazwischen pfuschen. Bewusst hatte ich den Hopperfasching
bei der Eröffnung des Stadions am 18. März gegen Uerdingen
umgangen und habe stattdessen die deutlich entspanntere
Ansetzung gewählt. Dementsprechend überrascht und verärgert war
ich, als ich mein Ticket löste und die sich aufwärmenden
Schnapper auf dem Kunstrasen in Aktion sah. Grund genug, die
halbwegs patent wirkende Gruppe mittelalter Herren am Einlass zu
fragen, wonach man entscheidet, welcher Platz bespielt wird und
warum man den Spielort nicht korrekt im DFBnet einpflegen
konnte. Wirklich zufriedenstellend waren die Ausflüchte nicht.
Diese reichten von der fehlenden Freigabe durch die Stadt
außerhalb der Ausnahmegenehmigung des KFC bis hin zum Verweis
darauf, dass man in einigen Jahren eh nur noch Kunstrasenplätze
vorfinden wird. Hilfe. Warum es für eine nicht zu
unterschätzende Anzahl Zuschauer einen Unterschied macht, auf
welchem Platz der Anlage gespielt wird, konnte sowieso niemand
nachvollziehen.
Meine Ohren vernahmen in meinem Umfeld,
dass ich nicht der einzige angepisste Hopper vor Ort war. Leider
entschädigte die Partie nicht für die Umstände. Die Hausherren
spielten wie ein Abstiegskandidat und konnten dem 0:1 aus der
28. Minute zu keinem Zeitpunkt etwas entgegensetzen. Immerhin
sorgte der Gegentreffer für etwas Unterhaltung, da Baumbergs
Verteidiger diesen auf dem viel zitierten Silbertablett
servierte. Ich war ehrlich schadenfroh und hätte nach diesem
sinnlosen Abend mit einem Baumberger Abstieg wenig Probleme. Ich
sah einen Verein und seine aktiven und passiven Darsteller, die
einen grandiosen Sportpark vor diese Nase gesetzt bekamen und
diesem nicht gerecht werden. Vom besagten Trio am Einlass, über
den Stadionsprecher und den überforderten Jungen am Zapfhahn,
bis zu den elf Mannen auf dem Platz, war das ein Festival des
Dilettantentums. Trotzdem werde ich wohl alle Hebel in Bewegung
setzen, um in Erfahrung zu bringen, ob am einzigen für mich
machbaren noch verbleibenden Heimspieltermin der Sportfreunde in
dieser Saison im Stadion gespielt wird. Nochmal will ich nicht
am provisorischen Kunstrasenplatz stehen, der für die
Oberligapartien mit stolzen 22 Bauzaunelementen fit gemacht
werden muss.
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