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Ab und an trifft man bei der Auswahl seiner
Spiele gute Entscheidungen. So entschied ich mich an diesem
Mittwochabend, an dem zwei Nachholspiele lockten, für das
deutlich bessere Programm. Hätte die räumliche Nähe den
Ausschlag gegeben, hätte ich in Monheim im neuen Zuhause der
Sportfreunde Baumberg die Oberliga Niederrhein wieder komplett
machen können. Da es sich bei der Ansetzung jedoch um das
Eröffnungsspiel und die Partie gegen das Staffel-Zugpferd
Uerdingen handelte, war der klassische Hopper-Fasching
vorprogrammiert. So begutachteten einige hundert Gleichgesinnte
sich selbst und einen müden 1:0-Sieg der Gäste. Ich strich
stattdessen mit etwas mehr Fahrtweg das Stadion Biener Busch in
Lingen von meiner ToDo-Liste. Die Fahrt ins Emsland war wie
immer unaufgeregt und brachte erst etwas Thrill, als es ums
Parken ging. Ein halbes Dutzend Ordner wies die Fahrzeuge ein
und lotste mich dabei tatsächlich durch den namensgebenden
„Busch“.
Auch beim SV Holthausen Biene gab es an
diesem anfangs milden Frühlingsabend unter der Woche ein großes
„Hallo“. Obwohl de facto bereits sang- und klanglos abgestiegen,
schaffte es der Oberliga-Aufsteiger zum Emsland-Derby gegen
Spelle-Venhaus offiziell mehr als 600 Zuschauer zu begrüßen.
Auch wenn es für mich nicht so voll aussah, nehme ich diesen
ordentlichen Wert gerne in meine Statistik auf. Während die
Hausherren die Oberliga Niedersachsen im Sommer nach unten
verlassen werden, schielen die Jungs aus Spelle wohl mit einem
Auge nach oben. Bevor es auf dem Rasen bereits früh zur Sache
ging, wurde ich den Gedanken nicht los, dass das Stadion Biener
Busch so auch als einer meiner geschätzten niederländischen
Amateurgrounds durchgehen könnte. Dafür fehlten allerdings der
Kunstrasen, das einladende Vereinsheim und die weiteren sechs
zur Anlage gehörenden Großfelder. So war es dann eben doch „nur“
ein besserer deutscher Oberliga-Platz.
Dafür knallte die Partie mächtig. Die
mitgereisten Anhänger aus Spelle durften bereits nach einer per
Kopf geschickt verlängerten Ecke in der dritten Minute jubeln.
Die Außenseiter und Gastgeber steckten den frühen Rückstand
jedoch gut weg und glichen kurios aus. Nach einem kurzen Anspiel
seines Torwarts beim Abstoß griff Spelles Dosquet
gedankenversunken mit der Hand nach dem Ball (32.). Elfmeter.
Ausgleich. Sachen gibt’s. Doch das sollte nicht alles gewesen
sein, über das man später sprechen würde. Kurz nach der Pause
sah Holthausens in Spelle ausgebildeter Kapitän Lindenschmidt
Gelbrot. In Unterzahl wehrte sich die Heimelf tapfer und musste
doch zwischen der 60. und 70. Spielminute einen Doppelschlag
hinnehmen, der wohl die Vorentscheidung markierte. Das dachten
sich auch etliche Anhänger, die den mittlerweile frischen Abend
gegen ihr Sofa eintauschten und das Gelände verließen. So
verpassten sie die nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd,
die im wild umjubelten Ausgleich in der 84. Minute mündete. Für
mich war das natürlich ein grandioses Fest. Auch beim Gastgeber
werden viele trotz der weiterhin aussichtslosen Lage mit einem
Lächeln eingeschlafen sein. Bei den spät bestraften Gästen zeigt
sich sicherlich ein anderes Stimmungsbild.
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