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Die Mama war für das Wochenende außer Haus,
sodass Lynn und ich zwei gemeinsame Tage füllen durften.
Selbstverständlich guckte ich bereits mit reichlich Vorlauf in
die Spielpläne und stolperte für den Samstag über die Partie des
FC Rijnvogels aus Katwijk. Der Spitzenreiter der
niederländischen Derde Divisie B sollte, ginge es nach mir,
bereits fallen, bevor man im Sommer höchstwahrscheinlich
aufsteigen wird. Apropos Sommer. Bei unserer Abreise regnete es
in Duisburg in Strömen, sodass es gute 200 Kilometer weiter
westlich nur besser werden konnte. Während Lynn auf der Rückbank
einen Großteil der Fahrt verschlief, fiel mir nach und nach ein,
was ich in der Ungemütlichkeit des Dauerregens alles vergessen
hatte einzupacken. Am
offenkundigsten war sicherlich der fehlende Kinderwagen, der mir
dann doch etwas Kopfzerbrechen bereitete. Sei‘s drum. Wir
erreichten den altbekannten Strand von Wassenaar sogar bei
Sonnenschein und verbrachten eine knappe Stunde im Sand und
bestaunten die vorbeilaufenden Hunde und die heranbrausenden
Wellen.
Zehn Minuten entfernt im „Landesinneren“
wartete der Sportpark de Kooltuin auf uns. Mit dem kleinen
Mädchen auf dem Arm enterte ich das Gelände und verschaffte uns
einen flotten Überblick. Soweit oben der 2004 aus einer Fusion
entstandene Klub in der Tabelle steht, so weit unten rangiert
der Ground im Quervergleich bezüglich seiner Attraktivität.
Auffälliger als die bescheidene Tribüne zeigte sich das
Werbe-Massaker, das den Platz nahezu vollständig vierreihig
umspannte. Bereits vor dem Anpfiff hatte meine quirlige an
beiden Händen des Papas laufende Tochter den Platz nahezu
umrundet und meine Rückenmuskulatur wie bereits gewohnt auf die
Probe gestellt. Anders als noch vor einem Monat kannte Lynn kaum
Ruhe, sodass sich meine Aufmerksamkeit für die Partie
zwangsläufig in Grenzen halten musste. Bei einer kleinen
Stärkung im Vereinsheim konnte ich durch die Menschengruppen
immerhin zwei Mal den Ball im Netz zappeln sehen (32. und 42.).
Die Entstehung der Tore blieb mir indes verborgen. Dass beide
Treffer aufs Konto der favorisierten Hausherren gingen,
überraschte anhand der Favoritenrolle und der bisherigen
Spielanteile nicht.
Mit Beginn des zweiten Durchgangs machte
der FCR deutlich, dass er hier und heute seinen Betriebsunfall
vom vergangenen Wochenende (1:4 in Noordwijk) vergessen machen
wollte. Leidtragender der Machtdemonstration war der VV SteDoCo
aus dem Dorf Hoornaar, der nach dem Wiederanpfiff recht schnell
zwei weitere Gegentore kassierte (48. und 52.). Dabei machte man
es der Heimelf aber auch einfach und lud die gegnerischen
Angreifer regelrecht zum Toreschießen ein. Lynn zollte indes
ihrem Tempo der ersten 45 Minuten Tribut und konnte sich nur
noch wenig fürs Spiel und ihre Umgebung begeistern. Daran
änderte auch der Ehrentreffer der Gäste (67.), der aus einem
simplen Abpraller entstand, wenig. Nach fünf Toren und wenige
Minuten vor dem Abpfiff bewegten wir uns in Richtung des
Ausgangs. Trotz des fehlenden Kinderwagens und des wechselhaften
Wetters haben wir mal wieder einen tollen Tag im
niederländischen Amateurfußball verlebt. Ich bin mir sicher und
freue mich darauf, dass noch einige folgen werden.
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