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Das hat mich dann doch ein wenig
verwundert. Stolze sechs Jahre ist mein letzter Besuch im
Bochumer Ruhrstadion her. Im Februar 2020 besuchte ich mit Tommy
das Auswärtsspiel seines HSV beim VfL. Das es nun so lange
dauerte, bis es mich erneut an die Castroper Straße zog, ist
ungewöhnlich. Immerhin ist das Ruhrstadion mit nun 20 Besuchen
einer meiner Top-5-Grounds. Nur auf Schalke und im Berliner
Olympiastadion wurde ich öfter vorstellig. An diesem
Freitagabend sollte der Glubb seine Visitenkarte beim
Bundesliga-Absteiger abgeben. Schon nach 22 Spieltagen ist die
Gefühlslage in beiden Lagern ähnlich. Irgendwie hatte man sich
mehr von dieser Zweitliga-Saison erhofft. Die Gäste aus Franken
konnten in der jüngeren Vergangenheit größere Transfererlöse
erzielen, ohne in der Folge eine Mannschaft aufzubieten, die um
den Aufstieg mitspielen kann. So erzeugte auch die
Vertragsverlängerung von FCN-Trainer und Weltmeister Miro Klose
ein höchstens gemischtes Echo. Der VfL startete mit den
natürlichen Zielen eines Absteigers in die Spielzeit. Nachdem
man anfangs mächtig abschmierte, bekam man unter dem äußerst
beliebten Neu-Coach Uwe Rösler die Kurve und steht wie der Club
zumindest im vermeintlichen Niemandsland der Tabelle.
Andre und ich hatten für das
Freitagabendspiel immerhin zwei Karten nahe des Gästeblocks
ergattert. Ich will nicht in die regelmäßige Schwärmerei rund um
die Bochumer Spielstätte einsteigen. Im Rahmen des Nötigen ist
das Ruhrstadion aber ein ziemlich perfekter Old School-Ground.
Da schaut man auch mal drüber hinweg, dass das Catering
lediglich Bratwürste zu bieten hat. Und, dass diese dann nur
unwesentlich größer sind als die Nürnberger Variante. Auch wenn
wir uns gerne adäquat versorgt hätten, waren Andre und ich ja
nicht zum Futtern hier. Die Atmosphäre stand dann schon mehr im
Mittelpunkt. Nach dem wie immer schönen Einlauf der Teams zu
Grönemeyers Bochum ging es bei bestem Fritz-Walter-Wetter auf
dem Rasen zur Sache. Die Bochumer Ostkurve machte währenddessen
wenig Eindruck, was aber auch am direkt neben uns liegendem
Gästeblock gelegen haben könnte. Dieser machte gut Dampf und
sorgte mit der Kombination aus stetigem Pyro-Einsatz und den
konsequenten Belehrungen des Stadionsprechers für ein wenig
Regelmäßigkeit.
Auf dem Platz ging es indes munter hin und
her. Der erste Durchgang war stark umkämpft und hatte nur wenige
Torraumszenen zu bieten. Anders als einige „Experten“, sah ich
den Club nicht wirklich stärker. Für uns kam das Nürnberger 1:0
durch den derzeit bärenstarken Zoma daher recht überraschend
(38.). In der Halbzeitpause tauschten wir uns kurz mit Stevie
aus, der nur wenige Reihen unter uns saß. Mit dem Wiederanpfiff
ging es ähnlich weiter wie zuvor. Zwei am Ball ziemlich starke
Mannschaften begegneten sich noch immer auf Augenhöhe.
Allerdings kündigte sich der Bochumer Ausgleich (72.) schon
etwas früher an. Dass dafür ein unglücklicher Handelfmeter
herhalten musste, war aus Sicht der Franken natürlich ärgerlich.
Trotzdem habe ich selten ein so leistungsgerechtes Unentschieden
erlebt. Die Punkteteilung zementiert den Status beider Teams
irgendwo im Nirgendwo. Immerhin holte der Club an der Castroper
einen Punkt mehr als die befreundeten Knappen.
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