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Mitte April und damit nur eine Woche nach
unserem Osterausflug nach Nordfrankreich, ging es für Alex,
Lynn, meine Mutter und mich in Richtung Süden. Ziel war die
Schweiz oder genauer gesagt Zürich, wo ich am Sonntag meinen 17.
Marathon laufen würde. Der Lauftermin bedeutete auch, dass der
Samstag als Vortag ohne große Sightseeing-Aktivitäten und die
damit verbundenen Kilometer gefüllt werden musste. Somit wurde
ich natürlich im Spielplan der Schweizer Ligen tätig und suchte
nach einer guten Lösung mit einer netten Partie für mich in
einer attraktiven Stadt. Glücklicherweise wurde ich schnell
fündig und plante einen gemeinsamen Ausflug nach Schaffhausen.
Wir erreichten die nördlichste Stadt des Landes nach einer
halbstündigen Fahrt, kurz unterbrochen von einer Mittagspause in
einem libanesischen Restaurant auf deutschem Boden. Zurück in
der Schweiz führte uns unser erster Weg bei bestem Wetter zum
überregional bekannten Rheinfall nahe Schaffhausen. Hier sahen
wir den 23 Meter hohen Wasserfall des Flusses, an dem wir einige
hundert Kilometer flussaufwärts leben. Ein spannendes und in
Europa nahezu einzigartiges Schauspiel, das meine einzige
touristische Attraktion in der auch ansonsten schönen Stadt sein
sollte.
Direkt nach dem Besuch am Rheinfall setzte
ich Alex, Lynn und meine Mutter nahe der schmucken Altstadt ab
und fuhr weiter Richtung Norden. Dort bespielt der FC
Schaffhausen als einer der ältesten Vereine des Landes in einem
neun Jahre alten Neubau in einem Industriegebiet. Zwischen einem
Baumarkt, einem Discounter und einem im Bau befindlichen
Drogeriemarkt sticht die FCS Arena nicht wirklich heraus.
Mitnichten ein Qualitätsmerkmal. Charakteristisch ist die
Mantelnutzung mit Verkaufs-, Büro- und Gastronomieflächen. Der
Ankermieter des Stadions ist nicht der FCS, sondern eine
Möbelhauskette. Als wäre das nicht schon unromantisch genug, ist
auch die jüngere Vereinsgeschichte wenig märchenhaft. Der
frühere Erst- und langjährige Zweitligist stieg im Sommer in die
bedeutungslose dritte Schweizer Liga ab. Natürlich waren auch in
Schaffhausen Querelen rund ums Geld und stetige
Eigentümerwechsel ausschlaggebend für oder mindestens begleitend
zum Niedergang.
Ein direkter Wiederaufstieg war bereits
früh kein Thema mehr und so kam es beim Spiel zwischen
Schaffhausen und dem FC Bulle zu einem Duell im Niemandsland der
dritten Liga. Immerhin sorgten gut einhundert aktive FCS-Fans
für eine passable Stimmung im ansonsten trostlos leeren Stadion.
Ich konnte meinen Sitzplatz in der FCS-Kurve entsprechend frei
wählen und bewegte mich mit dem Schatten. Das Geschehen auf dem
Kunstrasen konnte anfangs gut unterhalten. Den Beginn machten
die Gäste, die glücklicherweise trotz ihres Namens nicht zum
Brause-Konzern aus Fuschl am See gehören. Ein schöner und
platzierter Schuss aus halbrechter Position fand seinen langen
Weg in den Winkel des FCS-Tores (8.). Die Führung währte nur 3
Minuten, da die Hausherren umgehend ausgleichen konnten. Im
zweiten Durchgang hatte Schaffhausens Keeper dann viel zu tun.
In einem rumpeligen Spiel war er einer der wenigen Lichtblicke
und konnte trotzdem in der 84. Spielminute den entscheidenden
Treffer zum 1:2 nicht verhindern. Eine wirkliche Hilfe war seine
Defensive aber auch bei diesem Gegentor nicht. Irgendwie war
meine Gefühlslage nach dem Besuch beim FCS unklar. Ich sah einen
Verein in einem für diese Spielklasse viel zu großen Stadion,
mit einer treuen und motivierten Anhängerschaft und einer
Mannschaft, die in Deutschland wohl selbst in der Oberliga
Probleme bekommen könnte.
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